Die Wasserfee

Seit dem Tag, an dem ihm die Steine am Gailufer von der Wasserfee erzählten, möchte Gailino dieser geheimnisvollen Fee begegnen. Er möchte sie fragen, warum sie es immer so eilig hat und warum die Steine nur an manchen Tage sprechen können.

gailino det

Gailino besorgte sich eine Strassen-und Wanderkarte und suchte das Gailtal nach Wasserfällen und Quellgebieten ab. Gar nicht so leicht! Er entschloss sich, die bekanntesten Wasserfälle zu besuchen. Eine Wasserfee sucht sich sicher die schönsten Plätze aus, dachte er.

Er packte seinen federleichten Rucksack.Viel brauchte er ja nicht. Und schon ging die Reise los.

Er besuchte die Vorderberger Klamm, war beeindruckt –  nichts, keine Spur von einer Fee.

Dann begab er sich flugs zur Garnitzenklamm. Auch sie gefiel ihm sehr gut. Aber wieder nichts!

Gailino hatte auch vom Tröpolacher Wasserfall vernommen. Ein feines Platzerl, fand er, hielt Rast, rief nach der Wasserfee. Vergeblich.

Am nächsten Tag wanderte Gailino zum Wasserfall in St. Lorenzen im Gitschtal. Ganz hin gelangte er gar nicht. Er schaute sich um, rief „Wasserfee, Wasserfee, liebe Wasserfee!“ doch alles half nichts.

Vielleicht in Weidenburg? Schattseitig etwas versteckt gelegen, fand Gailino den Kronbacher Wasserfälle am Assnitzbach.

… …

… …

Er hielt auch bei den malerischen Bodenseen auf halbem Weg zum Nassfeldpass Nachschau und huschte durch den Gösseringgraben. Keine Spur von einer Wasserfee!

Der alte Quellgeist

Enttäuscht packte GAILINO seine Wanderkarte aus und überlegte. Dann mach‘ ich halt mal einen Ausflug zum  Ursprung der Gail.

Er flog vom Gailtal zum Lesachtal und schließlich übers Tilliacher Feld und hinauf zum Kartitscher Sattel. Nach diesem Flug, der nur wenige Minuten dauert, ruhte sich GAILINO an der Quelle aus.

„Ich vernehme, du suchst Gischmina?“ Eine tiefe gurgelnde Stimme war leise zu hören. Gailino blickte auf und sah einen altes grünlich-blau schimmerndes, rundliches Wesen, das auf einem Weidengeflecht saß. „Erlaube, dass ich mich vorstelle! Man nennt mich Urdan. Ich bin der Quellgeist dieses Bächleins.“

image„Gischmina?“ staunte Gailino. „Ja, lieber Lichti aus der fernen Galaxie, wenn du sie nicht beim Namen rufst, erscheint sie nicht. Sie ist überall zu finden, aber ihr Name ist sozusagen das Zauberwort.“

Hocherfreut fragte Gailino den Alten, wie er ihm danken kann. Urdan bat ihn, einige seiner Erlebnisse mit ihm zu teilen.

Bereitwillig erzählte Gailino von seiner Reise zur Erde und von seinen Beobachtungen. Urdan lauschte gespannt.

„Du bist ein guter Erzähler!“ lobte er Gailino und wünschte ihm zum Abschied viel Glück.

Gailino entschloss sich, in der Nähe der Mündung der Gössering Kontakt zur Wasserfee Gischmina zu suchen. Da war es um diese Zeit recht gemütlich.

Die Wasserfee erscheint

Er braucht nur ein einziges Mal „Gischmina“ zu rufen, und schon schwebt sie vor ihm. Sie trägt ein zauberhaft schönes Kleid in allerlei Blautönen, mit Wasserperlen geschmückt, mit Wellen am Saum des langen Kleides. Ihr langes bläuliches Haar ist mit einer weißen Seerosen-Blüte geschmückt. Sie lächelt und breitet zur Begrüßung ihre Arme aus.

imageSie ist groß und schlank, etwas größer als Menschen. Sie wirkt durchsichtig und – ihr Gesicht ist wunderschön.

„Hallo, Gailino! Ich beobachte dich schon eine Weile. Was kann ich für dich tun?“

Gailino setzt sich auf einen Ast der mächtigen Weide am Ufer, um auf Augenhöhe mit der Fee zu sein. Er fasst sich ein Herz und fragt:

„Ehrwürdige Gischmina! Darf ich dich fragen, warum du es immer so eilig hast und weshalb die Steine nur an manchen Tagen sprechen?“

Gischmina lächelt. „Ich habe es nicht eilig. Ich bin schnell. Das ist meine Natur. Um die Gewässer, für die ich sorge, mit den Energien der Sonne und der Luft zu verbinden, bin ich einmal mehr da konzentriert und einmal dort. Mit den Wassergeisterchen verbringe ich viel Zeit. Meine Anwesenheit stimmt sie froh. Hab‘ viel tun. Auch bei Nacht. Es bereitet mir Freude, denn Wasser ist etwas ganz Besonderes.“

Gailino ist mit dieser Erklärung zufrieden.

„Aber wie verhält es sich mit den Steinen?“

„Die lieben Steine! Sie würden sich verausgaben und ohne Ende plappern wollen! Sie dürfen nur sprechen, wenn die Sonne kräftig genug auf sie scheint und wenn Lebewesen in der Nähe sind, die die Herz-Gedanken-Sprache verstehen – so wie du, lieber Gailino!“

Mit sanfter Stimme fügt Gischmina hinzu: „Du könntest etwas für mich tun, Gailino!“

Sofort möchte Gailino wissen, wie er sich erkenntlich zeigen kann.

„Bitte sag‘ den Menschen, sie sollen respektvoll mit dem Wasser umgehen. Es sauber halten, keinen Müll in der Natur zurücklassen, der nicht verrottet. Wasser nimmt auch auf, was Menschen sagen. Sagen sie Zerstörerisches, so arbeiten die Wassergeisterchen und ich schwer daran, das Wasser wieder zu heilen.

Es gibt auch Menschen, die mithelfen. Und du weißt sicher, dass auch die Lieder der Lichtis auf die Natur ausgleichend wirken.“

Gailino denkt nach, wie er den Menschen diese Botschaft vermitteln kann. Nun, über die Kinder! Und mit seinen Geschichten, die von Erwachsenen aufgefangen werden, die noch nicht vergessen haben. In allen Erwachsenen ist auch noch das Kind, das sie einmal waren.

Mit diesem Kind kann Gailino Verbindung aufnehmen. Freudig verspricht er Gischmina, ihre Botschaft weiterzugeben.

Er springt vom Baum. Als er zu stehen kommt, ist Gischmina verschwunden.

 

Ein Natur-Tipp von Gailino:

Sammle einige etwa handgroße Steine und male darauf Wörter der Kraft wie zum Beispiel Freude, Danke, Gesundheit, Liebe.

Oder male mit frohem Herzen etwas Schönes darauf. Ein Zeichen, eine Blüte…

Verwende diese Steine als Mitbringsel oder lege sie in den Garten.

Ein Zeichen-Tipp von Gailino: Vielleicht magst du die Wesen aus dieser Geschichte zeichnen oder malen. Allein oder im Gespräch…

 

Werbeanzeigen